Waadt erlaubt Privatschulen die Vergabe der kantonalen Maturität — was das für Familien bedeutet
Am 18. März 2026 stimmte der Grosse Rat des Kantons Waadt dafür, anerkannten Privatschulen die Ausstellung kantonaler Maturitätszeugnisse zu ermöglichen. Hier erfahren Sie, warum diese wegweisende Entscheidung jede Familie betrifft, die eine Schweizer Privatschule in Betracht zieht.
BildungVon Swiss Private Schools Editorial19. Mai 20269 Min. Lesezeit
Am 18. März 2026 stimmte der Grosse Rat des Kantons Waadt mit 81 zu 42 Stimmen für eine Änderung des Gesetzes über den Sekundarschulunterricht II (LESS), die es anerkannten Privatschulen erstmals ermöglicht, kantonale Maturitätszeugnisse auszustellen. Diese Entscheidung markiert einen historischen Wendepunkt in der Schweizer Bildungspolitik und hat tiefgreifende Auswirkungen für Familien, die zwischen öffentlicher und privater Bildung wählen.
Bisher konnten Schülerinnen und Schüler an Waadtländer Privatschulen eine Maturität nur durch Ablegen der eidgenössischen Maturitätsprüfung erlangen — ein vollständig externer Prozess mit anonymen Prüfern und ohne Berücksichtigung der Jahresnoten. Diese Hürde wurde nun beseitigt.
Was sich geändert hat: Kantonale vs. eidgenössische Maturität
Um die Bedeutung dieser Abstimmung zu verstehen, muss man die zwei Wege zur Schweizer Maturität kennen — ein Diplom, das prüfungsfreien Zugang zu allen Schweizer Universitäten garantiert, einschliesslich der ETH Zürich und der EPFL.
Die kantonale Maturität (gymnasiale Maturität)
Von der Schule selbst durchgeführt — Lehrkräfte, die die Schüler kennen, erstellen und bewerten die Prüfungen
Jahresnoten zählen — das Abschlusszeugnis spiegelt Jahre kontinuierlicher Beurteilung wider, nicht eine einzelne Prüfungsperiode
Unter kantonaler Aufsicht — der Staat gewährleistet Qualität durch Lehrplanaudits und Inspektionen
Wird von etwa 95 % aller Maturitätsinhaber in der Schweiz genutzt
Die eidgenössische Maturität (Schweizerische Maturitätsprüfung)
Extern durchgeführt von der Schweizerischen Maturitätskommission unter dem SBFI (Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation)
Keine Berücksichtigung der Jahresarbeit — die Gesamtnote basiert ausschliesslich auf den Abschlussprüfungen
Anonyme Prüfer — die Schüler werden von Personen bewertet, die sie nie unterrichtet haben
Wird von nur etwa 5 % der Maturitätskandidaten abgelegt — hauptsächlich Privatschüler und erwachsene Lernende
Beide Diplome sind rechtlich gleichwertig und gewähren dieselben Hochschulzugangsrechte. Der praktische Unterschied liegt in den Prüfungsbedingungen: Der kantonale Weg anerkennt jahrelange Leistung, während der eidgenössische Weg alles in eine einzige Prüfungssitzung komprimiert.
Warum die Entscheidung der Waadt ein Wendepunkt ist
Da rund 7 % der Schüler im Kanton Waadt Privatschulen besuchen, ist die Auswirkung erheblich. Die Association vaudoise des écoles privées (AVDEP) hatte lange argumentiert, dass die ausschliessliche Beschränkung ihrer Schüler auf die eidgenössische Prüfung einen unfairen Nachteil schafft — der Kinder für die Schulwahl ihrer Eltern bestraft, nicht für mangelnde akademische Fähigkeiten.
Die Abstimmung korrigiert diese Ungleichheit. Privatschulen, die kantonale Qualitätsstandards erfüllen, können nun:
Eigene Maturitätsprüfungen durchführen unter kantonaler Aufsicht
Kantonale Maturitätszeugnisse ausstellen, die den Zeugnissen öffentlicher Gymnasien statusmässig entsprechen
Jahresnoten in das Schlussdiplom einfliessen lassen — als Anerkennung der nachhaltigen Leistung über die gesamte Ausbildungszeit
Eine Ausführungsverordnung wird die genauen Qualitätskriterien festlegen, die Privatschulen erfüllen müssen. Der Staat behält die vollständige Aufsicht über Unterrichtsstandards und Qualifikationen.
Der breitere Schweizer Kontext
Die Waadt handelt nicht isoliert. Mehrere Deutschschweizer Kantone erlauben Privatschulen seit Jahren die Vergabe der kantonalen Matura — ein Umstand, den das Waadtländer Bildungsdepartement als Beweis anführte, dass das System funktioniert, ohne die Qualität zu beeinträchtigen. Genf war Vorreiter in der Romandie, wobei Schulen wie die École Moser und das Institut Florimont nach Jahren von Audits und Lehrplananpassungen die kantonale Anerkennung erhielten.
Auf Bundesebene hat die MAR/MAV-Reform vom August 2024 den Anerkennungsrahmen für die Maturität erstmals seit 1995 grundlegend überarbeitet. Die Reform erhöht die Vergleichbarkeit der Zeugnisse zwischen den Kantonen und gewährt den Kantonen mehr Freiheit bei der Gestaltung der Programme — für gleichere Bedingungen zwischen öffentlichen und privaten Anbietern.
Was das für Familien bedeutet
Wenn Sie eine Privatschule im Kanton Waadt — oder anderswo in der Schweiz — in Betracht ziehen, verändert diese Entscheidung die Überlegungen in mehrfacher Hinsicht:
1. Kein Prüfungsnachteil mehr
Privatschüler müssen sich nicht mehr dem Stress und der Unberechenbarkeit einer vollständig externen Prüfung stellen. Jahre an Kursarbeit, Projekten und internen Bewertungen werden im Schlussdiplom berücksichtigt — genau wie bei Schülern öffentlicher Schulen.
2. Gleiche Anerkennung, gleiche Universitäten
Eine kantonale Maturität einer anerkannten Waadtländer Privatschule hat exakt dasselbe rechtliche Gewicht wie eine eines öffentlichen Gymnasiums. Sie ermöglicht den prüfungsfreien Zugang zu allen Schweizer Universitäten, einschliesslich ETH Zürich, EPFL und jeder kantonalen Universität.
3. Qualitätssicherung bleibt stark
Dies ist keine Deregulierung der Bildung. Privatschulen müssen strenge kantonale Standards in Bezug auf Lehrplan, Lehrerqualifikationen und Prüfungsverfahren erfüllen. Der Staat wird die Schulen fortlaufend auditieren und inspizieren. Familien können sicher sein, dass die Qualitätsansprüche hoch bleiben.
4. Ein Signal wachsender Gleichwertigkeit
Die Abstimmung sendet eine klare Botschaft: Entscheidend ist die Qualität der Bildung, nicht ob sie in einem öffentlichen oder privaten Rahmen vermittelt wird. Je mehr Kantone diesen Ansatz übernehmen, desto mehr Freiheit haben Familien, die Schule zu wählen, die am besten zu den Bedürfnissen ihres Kindes passt — ohne bei den Zertifizierungsergebnissen Kompromisse einzugehen.
Welche Waadtländer Privatschulen werden die kantonale Maturität anbieten?
Die Ausführungsverordnung wurde noch nicht veröffentlicht, daher steht die Liste der berechtigten Schulen noch nicht fest. Die Waadt beherbergt jedoch einige der renommiertesten Privatschulen der Schweiz, von denen viele bereits die Schweizer Matura über den eidgenössischen Prüfungsweg anbieten. Diese Schulen sind die wahrscheinlichsten Kandidaten für eine frühzeitige kantonale Anerkennung.
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Zeitplan und nächste Schritte
Die Abstimmung des Grossen Rates hat die LESS am 18. März 2026 geändert. Die Kantonsregierung muss nun die Ausführungsverordnung ausarbeiten, die Folgendes festlegen wird:
Die Kriterien, die eine Privatschule für die Anerkennung erfüllen muss
Anforderungen an die Lehrerqualifikationen
Standards zur Lehrplanausrichtung
Das Bewerbungs- und Auditverfahren für Schulen
Den Rahmen für die fortlaufende staatliche Inspektion
Ein offizieller Zeitplan für die Verordnung wurde noch nicht bekanntgegeben. Wir werden diesen Artikel aktualisieren, sobald weitere Details vorliegen.
Weiterführende Lektüre
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